Wie hängen Armut, faire Wahlen und Einwanderung zusammen?

Die Herkunftsländer der Migranten müssen sich ebenfalls Gedanken darüber machen, wie sie ihre Volkswirtschaften wachsen können lassen. Die Hauptproduzenten in diesen Ländern müssen herausfinden, wie man einen signifikanten Mehrwert innerhalb der Produktionskette erreichen kann. Das internationale Wirtschaftssystem ist oft gegen sie ausgerichtet. Das Europäische Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) mit Afrika ist trotz gegenteiliger Argumente ein Instrument zur Aufrechterhaltung dieses Systems.

Migranten aus aller Welt klopfen an die Türen der Festung Europa! Viele von ihnen kommen aus Afrika. Ihre Zahlen stehen in umgekehrtem Verhältnis zu den Wachstumsraten der Volkswirtschaften ihrer Ursprungsländer. Mit anderen Worten, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Leistung dieser Länder und dem Druck auf potenzielle Migranten, die grüneren Weiden Europas aufzusuchen. Die Verbindung zwischen diesen beiden Ereignissen – Wachstum und Migration – ist ein Begriff, den Ökonomen kaum beschreiben können: Hoffnung! Das heißt, je mehr ein potentieller Auswanderer sich seine Hoffnungen sich in seinem Heimatland erfüllt, desto weniger ist er bereit, es zu verlassen.

Eine wirksame Antwort auf die Migration wird es erfordern, ein globales Wirtschaftssystem zu entwickeln, das überall Hoffnung bringt. Die Frage, die jenseits von Wirtschaftstheorien und politischen Wunschlisten liegt, ist die: Sind die Europäer bereit, für eine Veränderung im globalen System zu kämpfen und diese am Ende auch tatsächlich auszuhalten? Ist Europa in der Lage, gegen sich selbst hart zu sein und die Notwendigkeit zu akzeptieren, dass den Rohstoffe Afrikas in Afrika selbst ein echter Mehrwert verliehen wird? Kann das ein Ziel der EPA sein? Jedes Prozent der Wertschöpfung könnte dazu führen, dass jedes Jahr Hunderttausende weniger „arme“ Afrikaner den Mittelmeerraum überqueren. Ist Europa bereit, die Vorteile von billigen Rohstoffen gegen die lästigen Migranten auszugleichen? Das ist hier die Frage!

Die Antwort wird nicht einfach sein. Eine Möglichkeit, diesen Prozess zu beginnen, besteht darin, sicherzustellen, dass afrikanische Länder die Führungspersönlichkeiten erhalten, die sie im Wahlprozess wollen und verdienen. „Was hat das mit mir zu tun?“, fragt sich der unschuldige Bürger von Dortmund. Die einfache Antwort der Brieffreundin in Abidjan darauf: „Wir hatte nie die Freude und das Glück, in der Elfenbeinküste freie und faire Wahlen abzuhalten, ohne irgendeinen Eingriff durch Paris und das Patronat Frankreichs”.

Das ist die Realität und das Wesen von France-Afrique – eines Konzepts politischer und wirtschaftlicher Beziehungen, das jeder Afrikaner verabscheut. Wird es bei den nächsten Wahlen anders sein?

In den nächsten zwölf Monaten gibt es in einer Reihe afrikanischer Länder kritische Wahlen, von Kenia mit seiner ethnischen gesteuerten Suche nach Führung über Sierra Leone mit seinem Wunsch, seine demokratischen Qualitäten zu stärken, bis hin zu Kamerun mit seiner Hoffnung, endlich eine jahrzehntelange Gerontokratie zu demontieren und neue Führungspersönlichkeiten mit neuen Ideen in die Regierung zu bringen. Wahlen bieten die Möglichkeit, nationale Prioritäten neu zu definieren, politische Optionen zu diskutieren und Programme zu verabschieden oder zu verwerfen, die entweder die gewünschten Ergebnisse liefern oder eben nicht. In vielen afrikanischen Ländern gehen diese Chancen häufig verloren, nicht etwa, weil politische Aspiranten sie nicht suchen würden, sondern aufgrund äußerer Kräfte, die sich bei den Wahlen einmischen, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen.

Europa könnte den Rest der internationalen Gemeinschaft mit einbeziehen, um die jungen, lebendigen afrikanischen Demokratien bei der Suche nach echten und engagierten Führern zu unterstützen. Oder das Spiel so spielen, wie es immer gespielt wurde und diese Länder allein lassen, mit Führungskräften, die dem internationalen System stärker verpflichtet sind als dem Wohlergehen ihren eigenen Bevölkerung. Die Einwanderungskrise dieses Jahrhunderts muss durch das Prisma jener Verbindung von Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung, freien und fairen Wahlen und Einwanderung gesehen werden.

Gesellschaft + Politik
Eric Chinje

About Eric Chinje

Mr. Eric Chinje has been Chief Executive Officer at African Media Initiative since July 1, 2014. Mr. Chinje is Senior Advisor with the Washington, DC-based International Communications and Trade Relations firm, KRL International, where he is providing high-level, strategic communications advice to the Governments of Liberia and South Sudan among others.