„Dieser Workshop änderte mein Leben“

„Wir brauchen keine starken Männer, wir brauchen starke Institutionen“

In Dezember 2018 fanden Workshops zum Thema Medien und Migration in drei afrikanischen Ländern statt. Journalisten, Chefredakteure und Herausgeber sowie Dozenten der Journalistenausbildung führten intensive Diskussionen mit Trainern, wie man das Thema Migration in Verbindung mit der Perspektive der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung behandeln könnte. Fragen der Mediennutzung und Entwicklung waren Schwerpunkt von Diskussionen mit Jugendlichen, Künstlern und Akteuren der Zivilgesellschaft. Die Workshops fanden in Lagos (Nigeria), Abidjan (Elfenbeinküste) und Accra (Ghana) statt.

Die Projektpartner Africa Institute for Media, Migration and Development (AIMMAD), Dortmund, das Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus (EBI), TU Dortmund, und die African Media Initiative (AMI), Nairobi, führten die Workshops durch. Die Lehrpläne für die Trainings wurden vom EBI entwikkelt. Die Organisation vor Ort wurde von örtlichen Journalistenvereinigungen unterstützt.

Die Trainingsteams aus Deutschland, den USA und Ghana trafen sich Anfang Dezember zunächst in Lagos. Eine Delegation der Nigeria Union of Journalist (NUJ) Lagos State Council in Anwesenheit ihres Vorsitzenden, Dr Qasim Akinreti, begrüßte das Team.

Dr. Akinreti berichtete vom Stand der Vorbereitungen und empfahl, die Workshops in Lagos um einen Tag nach hinten zu verschieben. Diesen Tag nutzte das Team, um sich zu koordinieren und sich intensiv auf die Details der Trainings vorzubereiten. Wie versprochen gelang es der NUJ, eine große Zahl von Teilnehmern zu motivieren, pünktlich zum Veranstaltungsort zu kommen.

Wie berichten die Medien in Afrika und Europa über Migration – und wie sollten Best Practices aufgebaut werden? Gut recherchierte Fakten und Zahlen, Methoden und bewährte Verfahren der journalistischen Berichterstattung waren Teil des Lehrplans für die Workshops.

Das EBI-Curriculum für Migration und Flüchtlingsberichterstattung unterstützt aktiv den Global Compact für Migration, der die Notwendigkeit hervorhebt, „eine unabhängige, objektive und qualitativ hochwertige Berichterstattung von Medienunternehmen zu fördern… unter anderem durch Sensibilisierung und Aufklärung von Medienfachleuten über migrationsbezogene Fragen und Terminologie, in ethische Berichterstattungsstandards investieren … unter uneingeschränkter Achtung der Medienfreiheit“.

Nach den dreitätigen Workshops in Lagos mit vielen äußerst positive Rückmeldungen der Teilnehmer reiste das Trainingsteam weiter nach Abidjan und Accra. In Abidjan fanden die Workshops im Maison de la Presse der Union Nationale des Journalistes de Cote d´Ivoire (UNJCI) statt, das mitten im Regierungsviertel liegt. UNJCI war organisatorischer Partner vor Ort. In Ghana fanden die Workshops in “Media General Executive Theatre”, den Räumlichkeiten von TV3, statt. Unterstützung vor Ort kam von „Ghana Journalist Association“.

Trotz der einen oder anderen logistischen Herausforderungen wurde das Programm auch in Abidjan und Accra erfolgreich umgesetzt. Auch hier fanden am dritten Tag Diskussionen mit Jugendlichen, Künstlern und Akteuren aus der Zivilgesellschaft statt.

Dabei ging es um die Frage, wie die Wahrnehmung über das Thema Migration ist und woher Sie Ihre Informationen erhalten. Es ging auch um die Frage, wie die Jugendlichen die Entwicklungen in ihren Ländern einschätzen und welche Perspektive Sie für Ihre eigene Zukunft sehen. Die Ergebnisse dieser Diskussionen werden genutzt, um Animationsvideos zu entwickeln, die Jugendliche über die Risiken irregulärer Migration sensibilisieren und über alternative Perspektiven in ihrem Heimatland informieren sollen.

Die Feedbacks zu den Workshps waren in jedem Land fast gleich – sehr positive, was das Team mehr als gefreut hat. Die Journalisten, Chefredakteuren und die Dozenten betonten, das Sie das Thema Migration noch nie so vertieft behandeln haben. Sie hätten durch die Workshops erfahren, dass Migration nicht isoliert behandelt werden kann, sondern dass Migration in Verbindung mit Regierungsführung, funktionierenden Institutionen sowie Problemen auf dem Arbeitsmarkt behandeln muss. Viele der Teilnehmer wünschten sich eine Fortsetzung der Workshops und einige möchten in ihrem Medium das Thema Migration als einen Schwerpunkt einführen.

Trotz der sehr kurzfristigen Vorbereitung der Workshops ist das Projektteam von den Ergebnissen positiv überrascht. Die intensiven Austausche zwischen Trainern und Teilnehmern waren für alle Beteiligten sehr bereichernd.

„This workshop changed my life“, so einer der Journalisten. „We don´t need strong men, we need strong institutions“, so einer der Jugendlichen.

Veye Tatah, Chefredakteurin des Magazins Africa Positive, erklärt ihre Motive, „die wahre Geschichte Afrikas über afrikanische Migration zu berichten, die sowohl negativen als auch positiven Klischees entzogen ist“. Eric Chinje, ehemaliger Vorsitzender und renommierter Praktiker von AMI, gebürtiger Kameruner und globaler Medienplayer, ist der leitende Moderator der Schulungen. Er betont, dass die Migration von Afrika nach Europa und die Gründe für die Bewegungen in vielen afrikanischen Medien stark unterrepräsentiert sind. EBI-Direktorin Prof. Dr. Susanne Fengler hat die Berichterstattung zu Migration in afrikanischen und europäischen Medien verglichen und kommt zu dem Schluss, dass die afrikanische Berichterstattung über Migration in quantitativer und qualitativer Hinsicht rar ist. „Afrikanische Medien schätzen die politische Dimension der Migrationsfrage auf beiden Seiten des Mittelmeers im Allgemeinen nicht ein“, so Fengler.

Es gibt noch viel Arbeit, um die Arbeit der Journalisten zu unterstützen. Die Workshops wurden vom Auswärtigen Amt unterstützt.

Von Monika Lengauer, Hans Decker & Veye Tatah

Migration
Veye Tatah

About Veye Tatah

Veye Tatah is a computer scientist and Entrepreneur from Cameroon. Tatah is currently self-employed as a consultant and project manager specializing in political, cross-cultural and media-related themes. Of particular interest is the development policy in Africa. She is the founder of the Africa Positive organization and acts as the editor-in-chief of a magazine called AFRICA POSITIVE, which has been published in German-speaking countries since 1998. She received a couple of awards for her voluntary activities in promoting integration - Among others; in 2010 she received the Federal Cross of the Order of Merit of the Federal Republic of Germany. (www.veye-tatah.de). She is the Author of the Book “Afrika 3.0” published in May 2014 which tackles the negative Image of Africa in the West.